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Klettern in der Starzlachklamm von Walter Hölzler

In der Starzlachklamm begann ende der Achtziger Jahre das moderne Sportklettern im Oberallgäu. D. h. hier
wurden zum ersten Mal im Oberallgäu extrem schwierige Routen (heißt aber nicht gefährlich) geklettert, die
mit internationalem Niveau vergleichbar sind. Die weit ausladenden Überhänge im oberen Teil der Klamm
bieten sich dafür sehr gut an. Das Allgäu war bisher in der modernen Sportkletterszene Deutschlands so
gut wie nicht erwähnt, da die schrofigen Grasberge als brüchig und gefährlich verrufen waren. Erst seit ca. 5
Jahren hat sich das geändert. Von Einheimischen Spitzenkletterern wurden neue Klettergebiete mit gutem
Fels gefunden und eröffnet. Das heißt, dass loses Gestein abgeräumt und mit sicheren Haken versehen
wurde. Nach der Veröffentlichung in div. Homepages und Kletterzeitschriften strömen immer mehr Kletter-
urlauber ins Allgäu. Denn die Sportart liegt voll im Trend, auch deshalb, weil der Deutsche Alpenverein einer
der größten Sportverbände Deutschlands ist. Und beinahe wäre die Alpenregion Allgäu an diesem
reizeittrend vorbeigegangen, obwohl wir ja genügend Felsen und Berge haben. Das wäre vergleichbar wie
wenn man auf der Insel Sylt nicht Segeln würde, weil irgend jemand verbreitet, dass die Wellen zu
unregelmäßig sind, oder so ähnlich...

Zustieg:

Wie bei der Grauen Wand nach Burgberg und Richtung Grünten zum großen Parkplatz beim Gasthof
Alpenblick. Man folgt der für Autos gesperrten Forststrasse noch ca. 150 Meter bergwärts bis ein
Wegweiser zur Starzlachklamm leitet. Nach einem Zaun führt der Wanderweg in die Klamm. Bald schon
sieht man steile Kalksandstein-Wände auf der linken Seite. Zu Fuß sind es vom Parkplatz bis zur Wand
rund 15 Minuten.

Exposition: Ost
Nur morgens scheint kurz die Sonne in die Klamm. Ansonsten ist es meist schattig, was im Sommer als
angenehm zu bezeichnen ist, da der Fels mit vielen "Auflegern" schwitzige Hände nicht lange an sich
lässt. Der Nachteil ist, dass sich bei starkem Regen die Feuchtigkeit in den Routen recht lange festsetzt.

Wandhöhe: 15 bis 20 Meter. Ein 50 Meter Seil reicht für alle Routen.

Absicherung:
Man ist gerade dabei das Gebiet mit Klebehaken oder Edelstahl-Bohrhaken auszurüsten. Bei den meisten
der empfehlenswerten Routen ist die Sanierung bereits erfolgt. In den anderen Linien findet man 10mm
Schwerlastanker mit Muttern, die noch nicht sehr alt sind. Die Hakenabstände sind eher komfortabel.

Charakter:
Wenn man die Treppe in die Klamm hinunter geht, gelangt man an eine plattige Wand. Hier führen gut
gesicherte Routen im 6. bis oberen 7. Schwierigkeitsgrad nach oben. Ein Klassiker ist die "kleine
Fledermaus" (6-) durch die Verschneidung gerade hoch. Der "Pepperfreakweg" (7+) und die Kante "Föhn"
(9-) sind kurz, knackig und lohnend. Um die Ecke findet man den original Einstieg der "großen Fleder-
maus" (6+). Dort wo diese Route nach links um die Dächer führt geht es auch gerade, in spektakulärer
foot-hook Technik, über das große Rissdach "Lay down sally" (8). Die nachfolgenden Routen sind nicht
so schön. Erst kurz vor der Bank bei den großen Dächern wird`s wieder interessant. "Burn baby Burn" (8)
bietet eine knackige Einzelstelle vor der Umlenkung. Bei der Route "Hangover" 9- bin ich mir nicht ganz
sicher ob am Einstieg ein Griff fehlt. Es ist auf jeden Fall sauschwer. Besser geht es von links einsteigend
unter das große Dach. Dieses ist mit recht ordentlichen Griffen ausgestattet und bietet athletische Züge.
Nun werden die Überhänge immer größer und die Routen heftiger, aber dafür sehr lohnend. Maximal-
kräftige Züge an so manchem Aufleger erfordern ganzes Können und viel Power. Recht hilfreich beim
Ausbouldern ist eine kleine Bürste um den manchmal staubigen Fels zu säubern. Die Top-Route des
Gebietes "für Peter" führt im größten Überhangbereich zu einer roten Umlenkschlinge. Sie wurde von Maxi
Klaus erstbegangen, mit 10+ bewertet und dem Spitzenkletterer Peter Götzfried (Absturz in Südfrankreich)
gewidmet. "Highway to hell" (9), Siebenschläfer (8/8+) und die Kante "Snoopy" (8) gehören wieder zu den
lohnenden und oft wiederholten Routen der Starzlachklamm. Danach führt die Wand nach unten. Hier gibt
es relativ lange Routen wie "Der leuchtende Pfad" (9) in steiler Plattenwand. Leider habe ich dort noch nie
jemanden klettern sehen. Dementsprechend staubig ist der Fels. Interessant wären sie sicherlich. Zum
Ende des Felsriegels wird es wieder lohnender. Die kurzen Plattenrouten "Spiel mit" (8-) und "Kuckucksei"
(8-) sind zwar etwas abgeschmiert, aber dennoch empfehlenswert für Leute die gut auf Reibung stehen
können. "Funkytown" (7+/8-) und "Quickrenner" (8+) sind die letzten zwei Routen im Gebiet, von ihrer
Qualität aber ganz vorne einzuordnen.
Alles in allem bietet die Starzlachklamm für "Hardmover" bei trockenen Verhältnissen absolut empfehlens-
werte Routen, auch wenn der Fels etwas gewöhnungsbedürftig ist. An schönen Wochenendtagen stören die
vielen Touristen etwas, die immer wieder ihre unqualifizierten Kommentare zu den Kletterern abgeben
müssen. Hier empfiehlt es sich, in den hinteren Sektor abzuwandern, oder im Gashof Alpenblick ein schönes
großes Stück Apfelkuchen zu essen ...

Weitere Infos mit allen Routen gibt es im Kletterführer ALLGÄU vom Panico-Verlag.

Dateien: Die interessanten Routen in der Starzlachklamm (Typ "PDF" - KB)

Link zu Herrn Walter Hölzler

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